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ANDREA AMMANN Andrea Ammann: So fand sie den Weg aus der Bulimie

Bildmotiv zum Artikel: Andrea Ammann: So fand sie den Weg aus der Bulimie
Andrea Ammann
Heute führt Andrea Ammann ein glückliches, freies und erfülltes Leben. Doch lange Zeit schien dieses Ziel in weiter Ferne: Über 20 Jahre litt die Therapeutin und Kursleiterin an Bulimie. Ihr Alltag wurde zum größten Teil durch die Krankheit bestimmt. Diese äußerst belastende Situation wurde für Andrea Ammann ein halbes Jahr nach der Geburt ihrer zweiten Tochter untragbar. Zu diesem Zeitpunkt setzte sie sich selbst ein Ultimatum: Es musste sich etwas ändern. Heute - über 17 Jahre später - ist Andrea Ammann glücklich wie nie zuvor und gibt ihre Erfahrung an Betroffene mit Bulimie sowie deren Angehörige weiter.

Ein steiniger Weg

Andrea Ammanns Leidensgeschichte beginnt in ihrer Kindheit. Als begabte Sportlerin und fleißige Schülerin definierte sie sich von Beginn an über Leistung. "Ich war eine Einzelkämpferin", erzählt die heute 49-Jährige. "Bewegung und Sport waren immens wichtig für mich - und auch eine gute Gelegenheit, so wenig wie möglich zu Hause zu sein." Heute weiß Andrea Amman, dass sie sich in ihrer Kindheit alleingelassen fühlte und unter den vielen Streitereien ihrer Eltern litt. "Es fehlte mir eine enge Bezugsperson." Auch nach ihrer Vergewaltigung konnte sich die damals 16-Jährige niemandem anvertrauen.

Dabei war es gerade dieses Erlebnis, das sie als Jugendliche in eine tiefe Krise stürzte. Um auf ihre Not aufmerksam zu machen, aß sie nichts mehr. Doch die erhoffte Reaktion - emotionale Zuwendung und Aufmerksamkeit durch die engsten Bezugspersonen - blieb aus. "Selbst als ich nichts mehr aß, hat mich nie jemand gefragt, wie es mir geht", schildert die Mutter von drei Töchtern, die mit ihrer Familie im Kanton Zürich lebt. Stattdessen wurde sie zu Ärzten und Psychologen geschickt - bis sie schließlich beschloss, wieder zu essen, einfach um den lästigen, bohrenden Fragen, sowie Kontrolle und Druck über ihr Gewicht zu entgehen.

Geheilt war Andrea Ammann damit aber keineswegs, denn sie begann, sich nach dem Essen zu erbrechen. Dies konnte sie geschickt vor ihrem Psychologen und der Familie verstecken - nicht nur bis zur Volljährigkeit, sondern weit ins Erwachsenenalter hinein. "20 Jahre lang funktionierte ich mit Bulimie. Nach außen gab ich ein Bild von Perfektion und Schönheit ab - innerlich war es aber ganz anders." Denn meist mehrmals täglich gab Andrea Ammann ihren Fressattacken nach und nahm in kürzester Zeit so viel Essen zu sich, wie eine fünfköpfige Familie in einer Woche verbraucht.

Bulimie heilt man nicht durch gesunde, kontrollierte Essenspläne

"Ich litt an einer tiefen Leere und Einsamkeit. Es kam mir vor, als würde ich überhaupt nicht am Leben teilhaben", beschreibt die Schweizerin ihre damalige Gefühlslage. Der Wendepunkt kam für Andrea Ammann, als sie zum zweiten Mal Mutter geworden war. "Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht nur ein Neugeborenes, sondern auch ein dreieinhalbjähriges Kleinkind zu versorgen und ein Geschäft zu führen. Ich habe gemerkt: Die unterschiedlichen Rhythmen der Kinder und die große Verantwortung im Geschäft, neben der alles beherrschenden Bulimie haben mich täglich mehr überfordert." Im Mai 2004 beschloss Ammann daher: Es muss sich etwas ändern! "Ich habe mir gedacht: Entweder ich bringe mich jetzt um oder ich verändere mein Leben radikal." Seit diesem Tag vor mehr als 17 Jahren hat Andrea Ammann aufgehört zu erbrechen und die Bulimie endgültig hinter sich gelassen.

Für ihren langjährigen Heilungsweg hat sich die heutige Therapeutin intensiv mit den Themen auseinandergesetzt, die ihr Leben unerträglich gemacht, die sie limitiert und blockiert hatten. Sie hatte dabei die Unterstützung eines Mentors, der sie energetisch begleitete. Heute ist sie es, die mutige und großartige Frauen auf ihrem Weg aus der Bulimie begleitet. Dabei verfolgt die Therapeutin und Kursleiterin einen ganzheitlichen Ansatz. "Das Problem bei einer Essstörung ist nie das Essen", stellt Andrea Ammann klar. "Leider setzen viele Therapeuten und Einrichtungen aber genau dort an." Daneben versuchen Betroffene auch oft im Alleingang, ihr Essverhalten zu normalisieren. Dazu wird ein scheinbar "gesunde" Essensplan erstellt - doch auch dieser Weg führt selten zu langfristiger Heilung und sehr viel öfter zur Kontrolle über Essen. "Es geht darum, ehrlich zu sich selbst zu sein. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, das eigene Herz zu heilen und sich selbst nicht mehr zu belügen. Es geht darum, sich von Ängsten und Erlebtem zu befreien, zu verzeihen, zu vertrauen und loszulassen", so Ammann.

In ihren Begleitungen und Onlinekursen setzt die Therapeutin unter anderem auf Hörsequenzen aus ihrer energetischen Arbeit, die zwischen Hypnose und Meditation anzusiedeln sind und die sie speziell für Frauen mit Bulimie zusammengestellt hat. Wer mit Andrea Ammann zusammenarbeitet, bekommt ganz viele wertvolle Werkzeuge sowie Tipps und Tools an die Hand, die sich unmittelbar und ohne großen Aufwand in den Alltag integrieren lassen. In einem geschützten Mitgliederbereich stehen Workbooks und Impulsvideos zu nahezu allen Themen, die sich auf dem Weg aus der Bulimie zeigen, zur Verfügung. Außerdem gibt es regelmäßige Live Calls, in denen persönliche Anliegen gelöst werden können. "Es geht darum, neue Sichtweisen und Gewohnheiten in unseren Alltag zu integrieren, um schlussendlich anders zu denken, zu fühlen und zu handeln. All das ist extrem wichtig, um aus der Sucht herauszukommen und nicht nur das Symptom zu bekämpfen."

Andrea Ammann

Andrea Ammann ist heute 49 Jahre alt und lebt mit ihrem Partner und ihren drei Töchtern in der Nähe von Zürich. Lange Zeit war ihr Alltag beherrscht durch die Bulimie, an der sie zwei Jahrzehnte litt. Durch intensive Auseinandersetzung mit sich selbst, ihren Ängsten und Verletzungen ist Ammann seit Mai 2004 rückfallfrei und lebt ein gesundes, erfülltes und glückliches Leben.

Als Mentorin und Coach begleitet sie heute erfolgreich Betroffene, die ebenfalls den Weg aus der Bulimie zurück ins Leben finden wollen. Ein besonderes Herzensanliegen ist ihr die Aufklärung von Eltern und betroffenen Kindern und Jugendlichen. "Eltern tragen niemals die Schuld an der Essstörung ihres Kindes. Sie können aber einiges tun, um ihre Töchter auf dem Weg in ein gesundes, glückliches und selbstbewusstes Leben zu begleiten. Der Schlüssel ist eine starke Eltern-Kind-Beziehung." Für die Beziehung zu ihren eigenen drei Töchtern ist Ammann besonders dankbar. "Meine 18-jährige Tochter sagte neulich zu mir: Mama, ich finde es so schön und bin total dankbar dafür, dass ich mit allem zu dir kommen kann und du immer hinter mir stehst - das ist, worauf es ankommt."

Der Schweizerin ist es ein großes Anliegen, Leichtigkeit in das Tabu-Thema Bulimie und zu bringen. "Es kann damit so viel Leid verhindert oder minimiert und ganze Familienstrukturen positiv verändert werden. Wir sollten aufhören, uns nur über Leistung und Schönheit mit Liebe und Anerkennung zu beschenken", hält Ammann fest. Ihre Mission ist es, Frauen zurück in ihre Kraft und zu einer liebevollen Verbindung zu ihrem Körper, dem Leben und sich selbst zu bringen.

Andrea Ammann litt selbst 20 Jahre lang an Bulimie. Heute begleitet sie Frauen auf ihrem Weg aus der Krankheit - in Form von Vorträgen, Onlinekursen und Eins-zu-eins-Begleitungen.